Weerth Georg


Geboren: 17. Februar 1822, Detmold

Gestorben: 30. Juli 1856, Havanna, Kuba

Bücher: Vie et faits du fameux chevalier Schenapahnski



Weerth Georg zog es 1840 nach Köln in die Verwaltung der Bleierzbergwerke Graf Meinertzhagen, doch schon zwei Jahre später, 1842 ging er nach Bonn, um in der Baumwollspinnerei und Weberei Weerth & Peill zu arbeiten. Die Firma gehörte einem nahen Verwandten, Friedrich aus’m Weerth. Neben der Arbeit besuchte Weerth Vorlesungen an der Bonner Universität. Dabei lernte er den Theologen Gottfried Kinkel und den Altgermanisten Karl Simrock kennen, die freisinnige Dichterzirkel veranstalteten. Die beiden Wissenschaftler ermunterten Weerth, literarisch tätig zu sein. Gemeinsam trafen sie sich im Maikäferbund, einem Dichterkreis. Weerths erstes Gedicht Der steinerne Knappe erschien 1841 in einer Gedichtsammlung.  1843 zog Weerth nach Bradford in Yorkshire Nordengland, um dort für zweieinhalb Jahre als Korrespondent des Kammgarn und Wollunternehmens Ph. Passavant & Co zu arbeiten. Die Zeit dort prägte ihn nachhaltig und politisierte ihn. Über den befreundeten Arzt John L. MacMichan, der in den Arbeitervierteln praktizierte, lernte er die Folgen der Industrialisierung, das heißt die Armut und Not der Arbeiter in den Textilfabriken, kennen. In seiner Zeit in England machte Weerth Bekanntschaft mit Friedrich Engels und traf auf einer Reise nach Belgien im Sommer 1845 Karl Marx. Er schloss sich der kommunistischen Bewegung an, deren Weltbild sich in seinen Gedichten widerspiegelt. Für das von Marx und Engels 1846 gegründete Kommunistische Korrespondenz Komitee und für den Bund der Kommunisten arbeitete der Handlungsreisende Weerth nebenbei als Kurier. „Weerth, der erste und bedeutendste Dichter des deutschen Proletariats“, schrieb Engels später.






Kein schöner Ding ist auf dieser Welt, Als seine Feinde zu beißen,

Als über all die plumpen Geselln Seine lustigen Witze zu reißen.

Georg Weerth

(1821 - 1856), deutscher Kaufmann, Erzähler, Lyriker und Feuilletonist






Die Blume starb auf eis'gen Feldern, Mein einsam Herz ist dumpf und schwer,

Ich bin ein Adler in öden Wäldern, Eine arme Möwe auf wüstem Meer.

O laß den Frühling wieder tönen, Du lieber Gott, und meinen Sinn

O tröste ihn mit einer schönen Ja Möwin oder Adlerin.

Georg Weerth

(1821 - 1856), deutscher Kaufmann, Erzähler, Lyriker und Feuilletonist






Herüber zog eine schwarze Nacht 

Herüber zog eine schwarze Nacht. Die Föhren rauschten im Sturme,

Es hat das Wetter wild zerkracht Die Kirche mit ihrem Turme.

Zerschmettert das Kreuz, Zerdrückt den Altar, Zermalmt das Gebein

in den Särgen Die gotischen Bögen wälzen sich Donnernd hinab von den Bergen.

Zum Dorfe stürzt sich Turm und Chor Als wie zu einem Grabe

Da fährt entsetzt vom Lager empor Und spricht zur Mutter der Knabe:

Ach Mutter, mir träumte ein Traum so schwer, Das hat den Schlaf mir verdorben.

Ach Mutter, mir träumte, soeben wär' Der liebe Herr Gott gestorben.

Georg Weerth

(1821 - 1856), deutscher Kaufmann, Erzähler, Lyriker und Feuilletonist






Ein Weib ist allmächtig. Wehe dir, wenn sie mit ihren schwachen Händen

in die Räder deines Schicksals greift: zitternd wirst du zum Stillstand kommen!

Georg Weerth

(1821 - 1856), deutscher Kaufmann, Erzähler, Lyriker und Feuilletonist






Es war ein armer Schneider 

Es war ein armer Schneider, Der nähte sich krumm und dumm,

Er nähte dreißig Jahre lang Und wußte nicht warum. Und als am Samstag

wieder Eine Woche war herum: Da fing er wohl zu weinen an Und wußte nicht warum.

Und nahm die blanken Nadeln Und nahm die Schere krumm Zerbrach so Scher

und Nadel Und wußte nicht warum. Und schlang viel starke Fäden Um seinen Hals herum

Und hat am Balken sich erhängt Und wußte nicht warum. Er wußte nicht

es tönte Der Abendglocken Gesumm. Der Schneider starb um halber acht,

Und niemand weiß warum.

Georg Weerth

(1821 - 1856), deutscher Kaufmann, Erzähler, Lyriker und Feuilletonist






Das Hungerlied 

Verehrter Herr und König, Weißt du die schlimme Geschicht?

Am Montag aßen wir wenig, Und am Dienstag aßen wir nicht.

Und am Mittwoch mußten wir darben, Und am Donnerstag litten wir Not,

Und ach, am Freitag starben Wir fast den Hungertod! Drum laß am Samstag

backen Das Brot, fein säuberlich Sonst werden wir sonntags

packen Und fressen, o König, dich!

Georg Weerth

(1821 - 1856), deutscher Kaufmann, Erzähler, Lyriker und Feuilletonist






Schulden sind gewissermaßen der Katzenjammer längst vergangener Genüsse.

Georg Weerth

(1821 - 1856), deutscher Kaufmann, Erzähler, Lyriker und Feuilletonist






Man reist nicht billiger und schneller als in Gedanken.

Georg Weerth

(1821 - 1856), deutscher Kaufmann, Erzähler, Lyriker und Feuilletonist






Die rheinischen Weinbauern  An Ahr und Mosel glänzten die Trauben gelb und rot,

die dummen Bauern meinten, sie wären aus jeder Not. Da kamen die Handelsleute

herüber aus aller Welt: Wir nehmen ein Drittel der Ernte für unser geliehenes Geld!

Da kamen die Herren Beamten aus Koblenz und aus Köln:

Das zweite Drittel gehöret dem Staate an Steuern und Zölln! Und als die Bauern

flehten zu Gott in höchster Pein: da schickt er ein Hageln und Wettern und brüllte:

Der Rest ist mein!  Viel Leid geschieht jetzunder, viel Leid und Hohn und Spott,

und wen der Teufel nicht peinigt, den peinigt der liebe Gott!

Georg Weerth

(1821 - 1856), deutscher Kaufmann, Erzähler, Lyriker und Feuilletonist






Nichts ist besser als das Weib!

Georg Weerth

(1821 - 1856), deutscher Kaufmann, Erzähler, Lyriker und Feuilletonist






Was wäre das Leben, wenn man nicht wagte und liebte!

Georg Weerth

(1821 - 1856), deutscher Kaufmann, Erzähler, Lyriker und Feuilletonist






Im Handel hört alle Freundschaft auf,

im Handel sind alle Menschen die bittersten Feinde.

Georg Weerth

(1821 - 1856), deutscher Kaufmann, Erzähler, Lyriker und Feuilletonist






O daß ich dich zu trösten wüßte! Ich will ja alles und alles gestehn.

Sieh, daß ich das kleine Gretchen küßte, Gewiß, es war ein reines Versehn.

Es war so dämmrig unter den Linden, Ich wußte selbst nicht, wie mir geschah,

Ich hoffte nur dich, nur dich zu finden, Und fand und küßte das Gretchen da.

Und ach, es war nur ein kleines Küssen, Und ich sorge, daß niemand es sonst erfährt,

Und gewiß, du wirst mir vergeben müssen Du hast das Küssen ja selbst mir gelehrt.

Georg Weerth

(1821 - 1856), deutscher Kaufmann, Erzähler, Lyriker und Feuilletonist







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