Valéry Paul


Geboren: 30. Oktober 1871, Sète, Frankreich

Gestorben: 20. Juli 1945, Paris, Frankreich

Ort der Beerdigung: Cimetière Marin, Sète, Frankreich

Bücher: Monsieur Teste, mehr...



Valéry Paul galt um 1920 als der größte französische Lyriker seiner Zeit und genoss hohes Ansehen auch im übrigen intellektuellen Europa. In diesem Jahr begann auch seine acht Jahre währende tiefe Freundschaft und intellektuelle Beziehung zur Dichterin Catherine Pozzi 1884–1934, deren Tagebücher darüber detailliert Zeugnis ablegen. 1923 wurde er zum Chevalier de la Légion d’honneur d. h. Ritter der Ehrenlegion, 1931 zum Komtur und 1938 zum Großoffizier ernannt. 1925 wurde er in die Académie française aufgenommen, deren Präsident er zeitweilig war. 1937 wurde Valéry mit einer wohldotierten Professur für Poetik am Collège de France ausgezeichnet. In der Zeit der Besetzung Frankreichs durch deutsche und italienische Truppen weigerte sich Valéry, mit den Besatzungsmächten zusammenzuarbeiten. Als er dann am 9. Januar 1941 in der Sorbonne eine Gedächtnisrede zu Ehren des jüdischen Philosophen Henri Bergson hielt, kostete ihn dieser Text seine Stellung als Direktor des Centre Universitaire Méditerranéen durch Erlass der Vichy-Regierung. Nach seinem Tod ordnete Charles de Gaulle ein Staatsbegräbnis an. Valéry wurde seinem Wunsch gemäß in seiner Geburtsstadt Sète auf dem Cimetière marin begraben, den er in einem Gedicht besungen hatte. In Sète befindet sich auch ein Valéry-Museum, das sein Andenken aktiv durch Ausstellung und Kolloquien pflegt. Valéry war wohl der letzte Autor in Frankreich, der mit Lyrik seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte. Er hatte den Status eines Dichterfürsten, der mit gut bezahlten Auftragsarbeiten von Verlagen und Zeitschriften bedacht und häufig zu Vorträgen und Lesungen eingeladen wurde. Nach ihm sank die ein ganzes Jahrhundert lang in Frankreich so erfolgreiche Lyrik zu einer Gattung von eher marginaler Bedeutung ab. Er war befreundet mit R. M. Rilke, dem Literaturhistoriker sowie Schriftsteller Herbert Steiner und der Malerin Marie Elisabeth Wrede, die das Porträt von Valery in einer repräsentativen Kaltnadelradierung festhielt.






Aber der europäische Geist oder zumindest das, was er an Wertvollstem birgt,

ist er einer unbeschränkten Ausbreitung fähig? Erscheinungen wie die Ausbeutung

unseres Planeten, die Vereinheitlichung der technischen Methoden

und die allgemeine Demokratisierung, die für Europa eine deminutio capitis

voraussehen lassen, muss man sie als unwiderrufliche Entscheidungen

des Schicksals hinnehmen? Oder bleibt uns irgend eine Freiheit

gegenüber dieser bedrohlichen Verschwörung der Dinge?

Paul Valéry

(1871 - 1945), franz. Lyriker, Philosoph und Essayist






Fahrt hin, Gespenster! Die Welt bedarf euer nicht mehr.

Noch meiner. Die Welt, die ihrem Hang zu unseliger Verstandesschärfe

den Namen "Fortschritt" gibt, trachtet, die Güter des Lebens mit den

Vorteilen des Todes zu verbinden. Noch herrscht in manchem Unsicherheit.

Ein wenig Geduld, und alles wird sich aufklären; schließlich wird vor unseren Augen

das Wunder einer Tiergesellschaft entstehen, ein vollkommener und endgültiger Ameisenhaufen.

Paul Valéry

(1871 - 1945), franz. Lyriker, Philosoph und Essayist






Wir Kulturvölker, wir wissen jetzt, dass wir sterblich sind.

Paul Valéry

(1871 - 1945), franz. Lyriker, Philosoph und Essayist






Und wir sehen jetzt, dass der Abgrund der Geschichte Raum hat für alle.

Paul Valéry

(1871 - 1945), franz. Lyriker, Philosoph und Essayist






Die Ewigkeit steht uns zur Verfügung, um über die Zeit zu sprechen.

Paul Valéry

(1871 - 1945), franz. Lyriker, Philosoph und Essayist






Die Vernunft ist möglicherweise eines von jenen Mitteln,

die das Universum dazu ersann, um sich auf schnellstem Wege auszulöschen.

Paul Valéry

(1871 - 1945), franz. Lyriker, Philosoph und Essayist






Der verlorne Wein 

Einmal hab ich (ich weiß nicht mehr unter welchen Himmeln),

als Opferung an das Nichts, in das Weltmeer hinunter Wein geschleudert in einem Schwung …

Wer verlangte deinen Verlust, Tropfen? Hieß es ein Seher gut?

Oder hat nur mein Herz so gemußt, meint ich, den Wein vergießend, Blut? 

Gleich und schon wieder wie immer klärte durchscheinender Schimmer vor mir das Meer,

drin es rötlich verrinnt …  Weg der Wein, doch die Wellen sind trunken! …

Und da sah ich den herberen Wind von Gestalten der Tiefe durchwunken …

Paul Valéry

(1871 - 1945), franz. Lyriker, Philosoph und Essayist






Das Ich ist hassenswert ... aber das der anderen.

Paul Valéry

(1871 - 1945), franz. Lyriker, Philosoph und Essayist






Das Denken ist brutal, es kennt keine Rücksichten,

was gibt es Brutaleres als einen Gedanken?

Paul Valéry

(1871 - 1945), franz. Lyriker, Philosoph und Essayist






Der Geschmack besteht aus tausend Abneigungen.

Paul Valéry

(1871 - 1945), franz. Lyriker, Philosoph und Essayist






Wer vermag zu sagen, was in Literatur, Philosophie,

Ästhetik morgen noch lebendig sein wird? Noch weiß niemand,

welche Gedanken und welche Worte man auf die Verlustliste setzen,

was an Neuem man verkünden wird.

Paul Valéry

(1871 - 1945), franz. Lyriker, Philosoph und Essayist






Unsere Generation hat durch eigene Erfahrung lernen müssen,

wie das Schönste und Ehrwürdigste, das Gewaltigste und das Bestgeordnete

durch blossen Zufall dem Untergang verfallen kann; sie hat gesehen,

wie in der Welt des Denkens, des durchschnittlichen Verstandes und des Gefühls

das Unerwartetste in Erscheinung tritt, wie das Widersinnigste sich jäh verwirklicht,

das Gewisseste zuschanden wird……

Paul Valéry

(1871 - 1945), franz. Lyriker, Philosoph und Essayist






Der Friede ist vielleicht jener Stand der Dinge,

in dem die angeborene Feindschaft der Menschen

gegeneinander sich durch Schöpfungen kundgibt,

statt sich durch Zerstörung zu äussern wie im Krieg.

Paul Valéry

(1871 - 1945), franz. Lyriker, Philosoph und Essayist







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