Tillier Claude


Geboren: 11. April 1801, Clamecy, Frankreich

Gestorben: 12. Oktober 1844, Nevers, Frankreich

Bücher: Mein Onkel Benjamin, mehr...



Tillier Claude obwohl er die Episoden um den epikureischen Landarzt ausdrücklich in den glücklichen Zeiten seines eigenen Großvaters angesiedelt hat, beschönigt er nichts. Sein Buch wimmelt von Angriffen auf Unrecht, Engstirnigkeit, Heuchelei. Wenn Meyers Lexikon 1929 von einem derb humoristischen Dorfroman spricht, verkennt es allerdings den geschliffenen Stil und den Geistreichtum des Buches. Es ist eine Fundgrube für verblüffende Metaphern und tiefsinnige Aphorismen. Auch mit diesen Zügen erinnert es an Thoreaus Klassiker Walden von 1854, den Tillier ja schlecht gekannt haben kann. Übrigens mussten beide Werke etliche Jahrzehnte auf die ihnen gebührende Anerkennung warten. Motive aus Mein Onkel Benjamin wurden 1969 unter diesem Titel in Frankreich von Édouard Molinaro sowie im gleichen Jahr in Georgien unter dem Titel Das Gastmahl der Rose verfilmt. Nach Tillier wurden Schulen in Clamecy, Nevers und Cosne-Cours-sur-Loire sowie die Rue Claude Tillier in Paris benannt.






Der Tod ist nicht nur das Ende des Lebens,

sondern auch ein Heilmittel gegen das Leben.

Man ist nirgends so geborgen wie in einem Sarge.

Claude Tillier

(1801 - 1844), französischer Satiriker und Schriftsteller






Wer Privilegien sät, wird Revolution ernten.

Claude Tillier

(1801 - 1844), französischer Satiriker und Schriftsteller






Nicht genug glauben ist ebensogut ein Zeichen von Unkenntnis wie zu viel glauben.

Claude Tillier

(1801 - 1844), französischer Satiriker und Schriftsteller






Der constitutionelle Mensch ist heuchlerisch, geizig und selbstsüchtig.

Mag er mit seinem Dickschädel an irgendeine Wand stoßen,

immer klingt es wie aus einer vollen Geldlade heraus.

Claude Tillier

(1801 - 1844), französischer Satiriker und Schriftsteller






Jede Seele aber, die zu tief fühlt, ist ein Ballon, der in den Himmel steigen möchte,

und der die Grenzen der Atmosphäre nicht überschreiten kann.

Claude Tillier

(1801 - 1844), französischer Satiriker und Schriftsteller






Ihr nennt mich einen Feigling, wenn ich so vernünftig bin, eine Herausforderung abzulehnen.

Welchen Begriff habt ihr denn von der Feigheit? Wenn das Vermeiden unnützer Gefahr

Feigheit heißt, dann gibt es wohl keinen Mutigen auf der Welt.

Claude Tillier

(1801 - 1844), französischer Satiriker und Schriftsteller






Eine Frau ist nicht immer glücklich mit dem, den sie liebt,

aber sie ist immer unglücklich mit dem, den sie nicht liebt.

Claude Tillier

(1801 - 1844), französischer Satiriker und Schriftsteller






Ist der Irrtum eines Richters ein schrecklicheres Unglück als der Sturz eines Postwagens

in den Abgrund oder die Explosion einer Maschine? Die Schuldigsprechung eines Unschuldigen

entspricht ganz folgerichtig der Mangelhaftigkeit unseres Gerechtigkeitsapparates,

sowie der Sturz des Dachdeckers vom Dache sich als eine Folge des Umstandes

darstellt, daß die Menschen unter Dächern wohnen. Der Tod eines unschuldig Verurteilten

ist doch nur ein persönliches Unglück, die Freisprechung eines Schuldigen

bedroht das allgemeine Wohl. Das Verbrechen lauert horchend an der Türe

des Gerichtssaals, studiert die Auslegung des Gesetzes und erspäht jede Lücke,

welche ihm eure Nachsicht offen läßt, zu seinem Vorteil. Ein Richter, der in der Furcht,

einen Unschuldigen zu verurteilen, zehn Schuldige freispräche würde töricht handeln,

besser zehn Unschuldige verurteilen als einen einzigen Schuldigen laufen lassen.

Claude Tillier

(1801 - 1844), französischer Satiriker und Schriftsteller






Die Majorität ist stärker als alles. Stelle zehn Philosophen auf die eine Seite

und elf Dummköpfe auf die andere. Die Dummköpfe werden siegen.

Claude Tillier

(1801 - 1844), französischer Satiriker und Schriftsteller






Essen ist ein Bedürfnis des Magens, Trinken ein Bedürfnis der Seele.

Essen ist ein gewöhnliches Handwerk, Trinken eine Kunst.

Claude Tillier

(1801 - 1844), französischer Satiriker und Schriftsteller






An einem Rausch ist das schönste der Augenblick, in dem er anfängt.

Claude Tillier

(1801 - 1844), französischer Satiriker und Schriftsteller







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