Pichler Adolf


Geboren: 4. September 1819, Erl, Österreich

Gestorben: 15. November 1900, Innsbruck, Österreich

Bücher: Fra Serafico, Die deutsche Flotte, mehr...



Pichler Adolf nach dem erfolgreichen Abschluss der „Philosophie“, dem damaligen Vorbereitungskurs für die Universität, wandte sich Pichler 1840 dem Studium der Rechtswissenschaften zu, das ihn aber nicht zu fesseln vermochte. Anstatt sich auf Prüfungen vorzubereiten, widmete er sich lieber den Schriften Hegels und der „Jungdeutschen“, deren freisinnige Gedanken auf ihn einen tiefen Eindruck machten. 1842 begab sich Pichler nach Wien, um Medizin zu studieren. Neben seinem Studium fand er noch genügend Zeit, sich auch als Schriftsteller zu betätigen. Seine ersten literarischen Versuche fanden zwar noch wenig Beachtung, öffneten ihm aber den Zugang zu Wiener Literatenkreisen. 1845 sammelte Pichler Beiträge für eine jungtirolische Anthologie, die wegen der strengen Zensurbestimmungen des Metternich’schen Regimes erst 1846 unter dem Titel Frühlingslieder aus Tirol veröffentlicht werden konnte. Er selbst lieferte, ohne seinen Namen zu nennen, mehrere Epigramme, den Hauptteil der Sammlung bildeten Werke seines Dichterkollegen Hermann von Gilm. Eine unglückliche Liebe zu einer Wiener Bürgerstochter hätte den Dichter fast aus der Bahn geworfen. Pichler folgte seiner Geliebten, der von den Eltern ein Ortswechsel anbefohlen worden war, bis nach Ungarn, wo er erkennen musste, dass alle seine Bemühungen erfolglos waren.






Gescheitert 

Wenn dein Lebensschiff gescheitert, Treibst du einsam auf den Wellen,

Und du blickst zum Himmel zweifelnd, Ob kein Stern ihn mög' erhellen.

Endlich sieht die Morgensonne Dich an dem Gestad' ertrunken, Glaube, Hoffnung,

Liebe sind schon Lang vor dir in's Grab gesunken.

Adolf Pichler

(1819 - 1900), österreichischer Schriftsteller und Naturwissenschaftler






Vergänglich 

Nicht allein die Blumen welken, Wie's ihr Erdenlos, Auch die Sterne

sind vergänglich In des Weltalls Schooß, Warum soll ich mich beklagen,

Wenn mein Ende naht? Nur dem Wurm möcht' ich nicht gleichen, Den ein Fuß zertrat.

Adolf Pichler

(1819 - 1900), österreichischer Schriftsteller und Naturwissenschaftler






Klar das Auge, stark die Hand, treu dir selbst, dem Vaterland,

lieber brechen als sich schmiegen, so muß Recht und Rechtes siegen.

Adolf Pichler

(1819 - 1900), österreichischer Schriftsteller und Naturwissenschaftler






Die Götter, die ihr euch macht, werden euch richten!

Adolf Pichler

(1819 - 1900), österreichischer Schriftsteller und Naturwissenschaftler






Christus am Oehlberg 

Die Berge tragen abends Das goldne Prachtgeschmeid, Die Alpenmähder

prangen Im grünen Frühlingskleid. Im Hage hat die Drossel Das weiche Nest gebaut,

Und lockt mit hellem Schlage In's dunkle Laub die Braut. Dort auf des Hügels Spitze

Im Grase hingestreckt Ruht des Erlösers Bildniß Die Stirne blutbedeckt. Er hebt das

Aug', als wollt' er Im Lenze aufwärts fleh'n: "Ach lasse doch mein Vater Den Kelch vorübergeh'n!"

Doch naht kein Engel traurig Und beut ihm seinen Mund, Nur Blüthenkelche steigen

Empor aus dunklem Grund.

Adolf Pichler

(1819 - 1900), österreichischer Schriftsteller und Naturwissenschaftler






Spätes Finden 

Ich habe dich erst spät gefunden Nach mancher Lust, die mich entzückt,

Nach mancher Spur von alten Narben, Die mir das Leben eingedrückt.

Schon ging ich einsam und verschlossen Auf grüner Tage öder Bahn,

Da ward es Licht: die Blumen knospen, Du blickst mich hell und freundlich an.

Adolf Pichler

(1819 - 1900), österreichischer Schriftsteller und Naturwissenschaftler






Bei Nacht 

Der Nebel schleicht durchs öde Moor In sternenloser Nacht, Zur Klage

ist im welken Rohr Der kalte Wind erwacht. Ich raste stumm auf einem

Stein Die Brust von Leid durchwühlt, Ach doppelt trägt er jede Pein, Der sich verlassen fühlt.

Ich habe Thränen ausgestreut Schon lang als reiche Saat,

Wann darf ich hoffen still erfreut, Daß meine Ernte naht? 

Der Nebel schleicht durchs öde Moor In sternenloser Nacht,

Zur Klage ist im welken Rohr Der kalte Wind erwacht.

Adolf Pichler

(1819 - 1900), österreichischer Schriftsteller und Naturwissenschaftler







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