Lessing Theodor


Geboren: 8. Februar 1872, Hannover

Gestorben: 31. August 1933, Marienbad, Tschechien

Bücher: Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen, mehr...



Lessing Theodor unterhielt eine Jugendfreundschaft mit Ludwig Klages, die dieser aber 1899 beendete, inwieweit Klages’ Antisemitismus der Grund dafür war, ist nicht endgültig geklärt. Beide betonten später, dass die gemeinsamen Jugendjahre ihr künftiges weltanschauliches Denken geprägt hatten. Die Bildungsreform wurde für Lessing ein lebenslanges Thema. Nach dem Abitur begann er ein Studium der Medizin in Freiburg im Breisgau, Bonn und zuletzt München, wo er dann den Neigungen gemäß, die er schon als Schüler zeigte zu Literatur, Philosophie und Psychologie wechselte. Er schloss sein Philosophiestudium mit einer Dissertation über den russischen Logiker Afrikan Spir ab. Lessing war mit dem Maler Ernst Oppler befreundet, der 1905 nach Berlin ging. Gemeinsam bedauerten sie die Mittelmäßigkeit ihrer Heimatstadt in vielen Dingen. Eine geplante Habilitation an der Universität Dresden scheiterte am Widerstand, der dem Juden, Sozialisten und noch dazu öffentlichen Verfechter des Feminismus dort entgegengebracht wurde. Die folgenden Jahre brachte er sich ohne feste Anstellung als Aushilfslehrer, z.B. bei Hermann Lietz, und als Vortragsredner durch; unter anderem hielt er Einführungen in die moderne Philosophie in der Wartehalle des Dresdner Hauptbahnhofs. 1906 ging Lessing nach Göttingen, um bei Edmund Husserl eine Habilitationsschrift zu verfassen. Der Plan scheiterte, aber in den Jahren 1906/07 war er als Theater-Kritiker für die Göttinger Zeitung tätig, die in diesem Zusammenhang entstandenen Texte liegen unter dem Titel Nachtkritiken auch als Buch vor.






Denn auch Musik ist, wie Religion, eine alogische, irrationale, gefühlsmässig-unmittelbare Lebensmacht.

Sie hat, genau wie die Religion, das bunte Narrenkleid des wirklichen Lebens von sich gestreift.

Sie bietet nie etwas Bestimmtes, Einzelnes, Glatt-Umschreibbares.

Sondern in ihr reduplizieren sich alle die tragenden Grunderlebnisse der Seele,

all ihr Fluten und Ebben, Gehemmtsein oder Emporsteigen, Gesteigert oder Bedrücktsein,

alles Spannen, Entspannen, Zögern, Straucheln, Eilen, Stürmen, alles Stauen, Angleichen, Ausgleichen,

Verwickelt oder Befreitwerden, in dessen Formen unsre Willens und Gefühlserregungen sich abspielen.

Theodor Lessing

(1872 - 1933, ermordet), deutscher Publizist und Kulturphilosoph






So wie kein animalisches Lebewesen sich dauernd auf der Höhe bewusster Wachsamkeit,

in schlafloser Gewecktheit zu erhalten vermag, keines den Wechsel von Nacht und Tag

und den Wechsel zwischen Selbstbewusstheit und vegetativer Erneuerung im Schlafe entbehren kann,

so kann auch das Menschengeschlecht als Ganzes eine dauernde Gewusstheit des Lebens nicht ertragen.

Theodor Lessing

(1872 - 1933, ermordet), deutscher Publizist und Kulturphilosoph






Sich mit Gott und dem Ende der Menschheit beschäftigen ist nicht an und für sich bedeutender,

als die Beschäftigung mit den tausend konkreten Kleinigkeiten der Praxis.

Diese bilden schliesslich doch immer die eigentliche Sorge unsrer Lebenstage,

wirken am unerbittlichsten und verhängnisvollsten, und werden von jedermann

im Grunde seines Herzens für das Notwendigste seines Lebens gehalten.

Theodor Lessing

(1872 - 1933, ermordet), deutscher Publizist und Kulturphilosoph






Es gibt für die Philosophie keinerlei Stoff, der an und für sich wichtiger wäre, als ein anderer.

Theodor Lessing

(1872 - 1933, ermordet), deutscher Publizist und Kulturphilosoph






Der liebt niemanden, der nur seinesgleichen liebt.

Theodor Lessing

(1872 - 1933, ermordet), deutscher Publizist und Kulturphilosoph






In Wahrheit ist die dunkle Kammer, in der die reine Vernunft thronen soll, vollkommen leer.

Theodor Lessing

(1872 - 1933, ermordet), deutscher Publizist und Kulturphilosoph






Alles das, woran ich auf Erden gelitten habe und was mir am Menschen böswillig

und gehässig erschien, brüchig und gemein, machtwillig oder eitel,

alles das begegnete mir auf meinem Lebenswege stets im Gewande der Ideale.

Theodor Lessing

(1872 - 1933, ermordet), deutscher Publizist und Kulturphilosoph







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