Janitschek Maria


Geboren: 22. Juli 1859, Mödling, Österreich

Gestorben: 28. April 1927, München

Bücher: Lilienzauber, mehr...



Janitschek Maria ersten Bücher, die sie veröffentlichte, waren Gedichtanthologien und Novellensammlungen. Dass sie sich sehr gut mit den Interessen der bürgerlichen Frauenbewegung identifizieren konnte, kann man der Themenwahl ihrer Werke entnehmen: Die Art und Weise, wie sie die Liebes und Eheprobleme der Frauen ihrer Zeit verarbeitete, wurde damals als äußerst freizügig empfunden. 1889 erschien ihr erster Gedichtband, Irdische und unirdische Träume, in dem auch das heftig kritisierte Gedicht 'Ein modernes Weib' enthalten war. 1909 wurde ihre Novellensammlung Die neue Eva in Deutschland verboten. Émile Zola, Henrik Ibsen und Leo Tolstoi hatten in ihren Augen Vorbildcharakter, literarisch muss man sie jedoch dem Symbolismus zuordnen. Sie hatte ein Faible für starke Frauenfiguren, die zu gnadenlosen Rächerinnen werden, sobald ihnen Unrecht angetan wird. In ihren epischen Werken ging sie vordergründig dem Dualismus zwischen der sinnlich und seelisch ausgerichteten Seite im Menschen nach.






Die alte Jungfer 

Niemand zu Liebe, niemand zu Last, Ist sie erloschen und verblaßt.

In ihrem Stübchen sann sie und sann, Bis ihr einsames Leben darüber verrann.

Keiner hat nach ihr die Hand ausgestreckt Und die flügelgebundene Seele erweckt.

Keiner hat in der Sommernacht Zu seligem Weinen sie gebracht. Und doch flogen Locken

auch ihr ums Gesicht, Und ihre Augen glänzten jung und licht.

Und doch schlug auch ihr in verschwiegener Brust Die Sehnsucht nach Sonne

und Frühlingslust. Niemand zu Liebe, niemand zu Last, Ist sie erloschen und verblaßt.

Maria Janitschek

(1859 - 1927), deutsch-österreichische Schriftstellerin und Lyrikerin






Winter 

Halt ich sacht auf weißem Felde, Märchen sinnend, stillerlauschten, Ist's,

als ob zu meinen Häupten Nahe Flügelschläge rauschten. Ist es mir, als ob der Schneewind

Warme Blumendüfte brächte, Blumenduft von tausend Beeten,

Aus der Glutpracht fremder Nächte. Behend eil' ich in den Garten, Wo die Bäume silbern stehn,

Um in zitterndem Erwarten Nach den Zweigen aufzuseh'n. Streif den Schnee

von ihnen zärtlich Der sie in sein Weiß versteckt, Und erblick, o lieblich Wunder!

Junge Äuglein, schlafbedeckt. Frühling! Nach des Sommers Abschied Nahst

du schon mit leisen Küssen, Und es gibt gar keinen Winter, Und kein kaltes Sterbenmüssen.

Streift den Schnee nur von den Dingen, Drunter grünen neue Triebe,

Und ihr spürt des Lebens Jugend Und die Urkraft seiner Liebe.

Maria Janitschek

(1859 - 1927), deutsch-österreichische Schriftstellerin und Lyrikerin






Woher 

Tiefblau der Himmel, hell glänzt der Firn, da fällt ein Tropfen auf meine Stirn.

Ich wend mich um, und spähe, spähe… nicht Wolken, nicht Menschen in meiner Nähe.

Du schöner Himmel, von Glanz umwoben, sag, weinen denn die auch dort oben?

Maria Janitschek

(1859 - 1927), deutsch-österreichische Schriftstellerin und Lyrikerin






Gomorrha 

Das Feuer schleicht in den Gassen Mit leisem Raubtiertritt, Die schönen Töchter,

die blassen, Vernehmen nicht seinen Schritt. Sie ruh'n auf weichen Fellen,

Müd' von Gelagen und Tanz, Vom Trank aus verbot'nen Quellen, Von wilder Opfer Glanz.

Sie träumen von dunklen Freuden, Von heimlicher Harfen Klang,

Von königlichem Vergeuden, Und lachendem Ueberschwang.

Sie träumen von Cherubsflügeln, Da stoßen die Wächter ins Horn,

Rot über Straßen und Hügeln Lodert Jehovas Zorn.

Maria Janitschek

(1859 - 1927), deutsch-österreichische Schriftstellerin und Lyrikerin






Fang sie! 

Auf dem Wipfel eines Waldbaums saß meine Jugend und rief: Fang mich, fang mich! 

Und ich kletterte und strebte, sie zu erhaschen; doch lächelnd schwang sie sich höher und höher . . .

Von der rosenroten Zinne eines schwebenden Wölkleins winkte sie nieder:

Fang mich, fang mich!  Und ich stieg auf einen Berg, wo die Wolken wohnen, sie zu haschen.

Doch höher und höher schwang sie sich. Aus dem tiefgoldnen Glanz des Morgensterns

sah ich ihr Antlitz winkend sich neigen: Fang mich, fang mich!  Auf denn, zu den Sternen!

Maria Janitschek

(1859 - 1927), deutsch-österreichische Schriftstellerin und Lyrikerin






Lauter Halbes, wohin man schaut. Keiner giebt sich ganz, jeder nur einen Teil,

und begehrt auch wieder nur einen Teil vom Andern. Welch seltsame Welt!

Maria Janitschek

(1859 - 1927), deutsch-österreichische Schriftstellerin und Lyrikerin






Der Kampf ums tägliche Brot hatte sie gemein gemacht, verbrecherisch,

ohne daß sie die Kühnheit und den Mut des wirklichen Verbrechers besessen hätten.

Maria Janitschek

(1859 - 1927), deutsch-österreichische Schriftstellerin und Lyrikerin






Zum Glück giebts nicht viele so entschiedene Naturen da würde die Welt

ja nach drei Tagen in Trümmer geschlagen.

Maria Janitschek

(1859 - 1927), deutsch-österreichische Schriftstellerin und Lyrikerin






Wen keine Sorgen und Krankheiten plagen, der ist doch thöricht,

wenn er sich nicht glücklich und zufrieden fühlt.

Maria Janitschek

(1859 - 1927), deutsch-österreichische Schriftstellerin und Lyrikerin






Im Sommerwind 

Tiefblau der Himmel, hell glänzt der Firn, da fällt ein Tropfen auf meine Stirn.

Ich wend mich um und spähe, spähe … nicht Wolken, nicht Menschen in meiner Nähe.

Du schöner Himmel, von Glanz umwoben, sag', weinen denn die auch dort oben?

Maria Janitschek

(1859 - 1927), deutsch-österreichische Schriftstellerin und Lyrikerin







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