Hart Julius


Geboren: 30. Dezember 1855, Wesel

Gestorben: 7. Juli 1930, Berlin

Bücher: England Und Amerika, mehr...



Hart Julius schon als Schüler versuchten beide sich als Zeitschriftenherausgeber Herz und Geist. Zusammen mit Albert Giese und Peter Hille gaben sie 1877 in Münster die Zeitschrift Deutsche Dichtung 3 Hefte heraus. Noch im gleichen Jahr, 1877 zogen die Brüder nach Berlin, wo Julius Hart an der Berliner Universität ein Studium begann. Aus Geldmangel brach er es ab und kehrte mit seinem Bruder wieder nach Münster zurück. Wieder in Münster, gaben sie die Zeitschrift Deutsche Monatsblätter 1878–1879 heraus und begründeten 1879 den Deutschen Literaturkalender, der später, nach Wechsel des Verlags, als Der Kürschner berühmt wurde und auch heute noch als Kürschners Deutscher Literatur-Kalender existiert. Im Jahr 1881 wechselten die Brüder erneut nach Berlin. Hier gaben sie die Zeitschrift Kritische Waffengänge 1882–1884 heraus, die als ein Quellpunkt des literarischen Naturalismus in Deutschland angesehen werden kann. Die Brüder Hart schrieben zwar alle Beiträge selbst, zu ihrem Kreis gehörten aber bald Autoren wie Wilhelm Arent, Hermann Conradi und Karl Henckell. Ihre eher gemäßigten Anschauungen führten dazu, dass das Zentrum der naturalistischen Bewegung sich nach München verlagerte. Weitere Zeitschriftengründungen dieser Jahre waren die Berliner Monatshefte für Literatur, Kritik und Theater 1885 und Kritisches Jahrbuch 1889–1890. Als Verfasser von Lyrik Stimmen in der Nacht, 1898 und lyrischer Prosa Träume der Mittsommernacht, 1905 war Julius Hart weniger erfolgreich. Seine Stärke lag in der Fähigkeit, Gleichgesinnte um sich zu scharen. So gehörte er mit seinem Bruder dem literarischen Verein Durch an, zu dessen Mitgliedern auch Arno Holz, Johannes Schlaf und Gerhart Hauptmann zählten. Ferner war er Mitglied in der Neuen Gemeinschaft, beim Friedrichshagener Kreis und bei der Freien Bühne, aus der später die Volksbühne hervorging.






Es zehrt

An aller Mark der Sünde fressend Feuer, Ein jeder ist verschuldet jeder Tat,

Und jeder trägt auf seiner Seele ungeheuer, Was jeder je an Schuld und Frevel tat.

Ihr stoßt den einen tief hinein in Nacht, Den andern hebet ihr empor zum Licht,

Lehrt ihr die Blinden, was sie sehend macht? Und trocknet ihr der Weinenden Gesicht?

Julius Hart

(1859 - 1930), deutscher Dichter des Naturalismus






Fichtenrauschen Mondscheinleuchten heben an ein seltsam Singen,

und im lichten Glaste flimmert's wie von weißen Geisterschwingen ... 

Wirfst du endlich ab die Hülle, kehrst du wieder heim, Verlorner?

wachst du auf aus deinen Träumen, nie Gestorbner nie Geborner?! 

Siehst du dich im goldnen Kahne durch des Lebens Fluten gleiten,

nur gewichen sind die Ufer, und erweitert sind die Weiten ... 

Deine Flügel sind entfaltet über Raum und alle Zeiten, Tod und Leben sind nur Formen,

Träume dunkler Sinnlichkeiten.

Julius Hart

(1859 - 1930), deutscher Dichter des Naturalismus






Kunst ist die zeugerische Naturkraft das Leben Schaffende,

das stets sich erneuernde Leben selbst.

Julius Hart

(1859 - 1930), deutscher Dichter des Naturalismus






Natur 

Nacht fließt in Tag und Tag in Nacht, Der Bach zum Strom, der Strom zum Meer Im Tod

zerrinnt des Lebens Pracht, Und Tod zeugt Leben, licht und hehr. Und jeder Geist,

der brünstig strebt, Dringt wie ein Quell in alle Welt, Was du erlebst, hab ich erlebt,

Was mich erhellt, hat dich erhellt. All sind wir eines Baums Getrieb, Ob Ast,

ob Zweig, ob Mark, ob Blatt Gleich hat Natur uns alle lieber, Sie unser aller Ruhestatt.

Julius Hart

(1859 - 1930), deutscher Dichter des Naturalismus






Abendgang 

Nun ist der Abend kommen, Die Sterne sind entglommen, Die Straßen schlummern mählig ein.

Abwerf' ich all' mein Mühen Und laß in mir erblühen Der Liebe Sehnsucht ganz allein.

Rings grüßen von den Zweigen Die Vögel und es neigen Sich flüsternd Busch und Blume mir,

So festlich ist mein Wesen, Sie mögen leicht es lesen, Wie meine Seele fliegt zu Dir.

Die Kinder, die am Wege Sich tummeln durch's Gehege, Sie reichen lächelnd mir die Hand.

Die Winde, die da wehen, Die Wolken, die da gehen, Sie knüpfen mir ein rosig Band.

Wie weit seid ihr entschwunden, Ihr sorgenschweren Stunden, Wie fern,

wie fern liegt Kampf und Streit, Die Welt ist so voll Frieden,

Als läg' sie abgeschieden Ein See in grüner Einsamkeit.

Nun steh' ich an dem Hause, Vor meines Glückes Klause,

Und meiner Freuden Inbrunst wird Gebet, Laß jedes Herz hienieden Durch Liebe finden Frieden,

Du göttlich Feuer, das die Welt durchweht.

Julius Hart

(1859 - 1930), deutscher Dichter des Naturalismus







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