Godin Amélie


Geboren: 22. Mai 1824, Bamberg

Gestorben: 24. April 1904, München

Bücher: Frauen-Liebe und Leben, mehr...



Godin Amélie wurde geboren als Tochter des Arztes Friedrich Speyer und dessen Frau Clara, geb. von Godin, verbrachte sie mehrere Winter in München und heiratete 1844 den preußischen Ingenieuroffizier Franz Xaver Linz, mit dem sie abwechselnd in verschiedenen Garnisons-Städten der Rheinprovinz, später in Pommern lebte. 1870 Witwe geworden, zog sie 1874 nach München. Unter dem Namen Godin, dem Geburtsnamen ihrer Mutter, veröffentlichte sie eine Anzahl Jugendschriften, die, wie die Märchen von einer Mutter erdacht Stuttgart 1858, 4. Aufl. 1876, Neue Märchen 3. Aufl. 1881 und andere, Anklang fanden.






Tief in uns gibt es einen doppelten Willen, den eigenen und den Gottes diesen nennen wir Pflicht.

Wem sie einmal innerliche Richtschnur geworden, der besinnt sich nicht erst,

der schaut ihr nicht erst prüfend ins Gesicht, er hört den deutlichen Ruf und gehorcht.

Amélie Godin

(1824 - 1904), eigentlich Amélie Linz, deutsche Schriftstellerin






Es gibt ein Talent fürs Unglücklichsein! Wer sich Zeit nehmen will, es auszubilden, versinkt,

wenn er auf geistige Bestätigung angewiesen ist und diese sich abzuzwingen

nicht moralische Kraft besitzt, gar leicht in hypochondrische Untätigkeit,

oder in verzweifelnde Ausschweifungen, die ihn dem Untergange zuführen.

Amélie Godin

(1824 - 1904), eigentlich Amélie Linz, deutsche Schriftstellerin






Vergangenheit! Ein Traum, ein Nichts und doch das einzige Erdengut, das immer reicher wird,

je mehr man davon zehrt, das über Gegenwart und Zukunft verklärende Lichter

ausgießt und in den dunklen Tag herüberleuchtet als schattenloses Eden.

Ein großer Dichter nannte Erinnerung das Paradies, aus dem keiner vertrieben werden könnte,

hier aber irrte der Prophet. Tausende wandeln auf Erden, denen Vergangenheit

jenes verschleierte Bild ist, das zu schauen den Tod gibt.

Amélie Godin

(1824 - 1904), eigentlich Amélie Linz, deutsche Schriftstellerin






Der lähmende Einfluß, den kleine Orte so häufig auf den Geist ausüben,

ist größtenteils dem Stillstand und den engen Verhältnissen des Lebens im weiteren Sinne

zuzuschreiben, ich meine das Leben, das uns nicht unmittelbar berührt,

aber doch die Atmosphäre ausmacht, die den gesonderten Existenzen ihre Bedingung stellt.

Jeder lebendige Geist bedarf nicht allein innerer, sondern auch äußerer Anregung.

Bedeutende Umgebungen erzeugen stets Gedanken, während im ewigen Einerlei alle Kräfte stagnieren müssen.

Amélie Godin

(1824 - 1904), eigentlich Amélie Linz, deutsche Schriftstellerin






Es gibt unter allem Erdenweh kaum jammervolleres, als wenn ein vollempfundenes,

reines Glück von derselben Hand zerstört wird, die es gereicht.

Da ist ja alles hin, nicht die Zukunft nur, auch die Vergangenheit,

jede Erinnerung gleichsam erwürgt, jede Gabe, die voll Wonne ans Herz gedrückt worden,

plötzlich verschwunden wie Hexengold.

Amélie Godin

(1824 - 1904), eigentlich Amélie Linz, deutsche Schriftstellerin






Mitleid ist eine Himmelstochter, die gleich allem, was vom Himmel stammt,

der Flügel bedarf, wird sie zum Erdenkinde, dessen Fuß im Alltagsleben Wurzeln schlägt,

dann gesellen sich ihr allzuleicht zwei irdische Schwestern, deren freundlichere:

Nachsicht, deren zweite, leise nebenher wandelnde aber Geringschätzung heißt.

Amélie Godin

(1824 - 1904), eigentlich Amélie Linz, deutsche Schriftstellerin






Kein Mensch wird so alt, daß er nicht noch durch das Herz leiden könnte.

Amélie Godin

(1824 - 1904), eigentlich Amélie Linz, deutsche Schriftstellerin






An das eigne Herz 

Daß dich des Lebens Leid und Schmerz Gleich einem Halm im Sturme wiege,

Gestatt' ich willig dir, mein Herz, Doch daß du je dich beugst der Lüge,

Vebiet' ich dir!  Dir sei vergönnt, daß stets aufs Neu' Du allen deinen Reichtum spendest,

Daß aber jemals Lieb' und Treu' Du wie ein wertlos Gut verschwendest,

Vebiet' ich dir!  Verzeihen darfst du tausendmal, Was gegen dich die Liebe sündigt.

Doch daß du dich verzehrst in Qual, Wenn man dir kalt die Liebe kündigt, Vebiet' ich dir!

Amélie Godin

(1824 - 1904), eigentlich Amélie Linz, deutsche Schriftstellerin






Leb' wohl, leb' wohl! Kurz ist das Wort, Der Inhalt aber tief Lang tönt es noch im Herzen fort,

Nachdem der Mund es rief.

Amélie Godin

(1824 - 1904), eigentlich Amélie Linz, deutsche Schriftstellerin






Du seufzest über dürres Land, o sei nur blind nicht, nicht so träge!

Viel Freuden schmachten unerkannt, das sind die Blumen am Wege.

Sie winken still, sie duften fein, erheischen nicht deine Pflege,

sie möchten nur geerntet sein, die kleinen Blumen am Wege. Nach goldenem Sterne,

weit entrückt, blickst du, nach fernem Gehege, dieweil verblühen,

ungepflückt, viel tausend Blumen am Wege!

Amélie Godin

(1824 - 1904), eigentlich Amélie Linz, deutsche Schriftstellerin






Entbehren heißt nicht unglücklich sein! Für jeden Menschen gibt es Dinge,

auf die zu verzichten er sich gewöhnen muß.

Amélie Godin

(1824 - 1904), eigentlich Amélie Linz, deutsche Schriftstellerin






Jedes Herz hat seine eigenen Schmerzen. Das eine will sie ausklagen,

und schon die eigene Klage gibt ihm Erleichterung, das andere hüllt seine Todespein in Schweigen,

ein Trostwort ist ihm grausam. Die Wunde schmerzt bei der zartesten Berührung:

sie will und kann nur nach innen bluten. Das gotterfüllte Herz fühlt sich dem Himmel zwiefach verbunden,

das zweifelnde Herz klagt den Himmel an, allen aber reift die gleiche Erfahrung:

von Menschen kann Trost nicht kommen, auch von den teuersten nicht,

und selbst Gott hat ihn nur der Zeit aufgetragen.

Amélie Godin

(1824 - 1904), eigentlich Amélie Linz, deutsche Schriftstellerin







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