Eichrodt Ludwig


Geboren: 2. Februar 1827, Durlach

Gestorben: 2. Februar 1892, Lahr, Schwarzwald

Bücher: Gesammelte Dichtungen: Lyra, mehr...



Eichrodt Ludwig studierte ab 1845 in Heidelberg und Freiburg Rechtswissenschaft, Philosophie und Geschichte, und lebte dann als richterlicher Beamter an verschiedenen Orten, bis er 1871 zum Oberamtsrichter in Lahr ernannt wurde. Er verstarb an seinem 65. Geburtstag. Sein Grab befindet sich auf dem Alten Friedhof bei der Stiftskirche in Lahr. Nach ihm ist eine Grundschule in Lahr benannt. Zusammen mit seinem Studienfreund Adolf Kußmaul erfand er die Figur des schwäbischen Dorflehrers Gottlieb Biedermeier, ein Mensch, dem nach ihrer Charakterisierung „seine kleine Stube, sein enger Garten, sein unansehnlicher Flecken und das dürftige Los eines verachteten Dorfschulmeisters zu irdischer Glückseligkeit verhelfen“. Nach dieser Figur wurde später eine ganze Epoche benannt.






Erst überlegen, dann erst widerlegen!

Ludwig Eichrodt

(1827 - 1892), Pseudonym Rudolf Rodt, deutscher Schriftsteller






Jedermann steht im Auge des Andersdenkenden auf einem einseitigen Standpunkte.

Ludwig Eichrodt

(1827 - 1892), Pseudonym Rudolf Rodt, deutscher Schriftsteller






Abendfriede 

Schwebe, Mond, im tiefen Blau Ueber Bergeshöhn, Sprudle Wasser, blinke Thau . . .

Nacht, wie bist du schön! Spiegle, See, den reinen Strahl, Friede athmend lind Durch

das wiesenhelle Thal Walle, weicher Wind!  Wie durch einen Zauberschlag Bin ich umgestimmt Von Gedanken,

die der Tag Bringt und wieder nimmt. Daß es auch ein Sterben gibt, Fühl' ich ohne Schmerz,

Was ich liebe, was micht liebt, Geht mir still durchs Herz.

Ludwig Eichrodt

(1827 - 1892), Pseudonym Rudolf Rodt, deutscher Schriftsteller






Vergiß! 

Was kleidet die Wiesen, was schmücket die Wälder, Was sprenget die Fesseln dem keuchenden Bach?

Was führet die Thiere zurück in die Felder Und wehet den Klang aller Lieder wach?

Es ist der Frühling, es ist die Sonne, Drum freue sich laut ein jegliches Herz,

Und in der großen unsterblichen Wonne Verstumme der eitle, der menschliche Schmerz!

Ludwig Eichrodt

(1827 - 1892), Pseudonym Rudolf Rodt, deutscher Schriftsteller






Zuvor 

Wellenschäume, Wolkensäume, Wünsche, Träume, Im Entfalten, Im Zerfließen festgehalten,

Manch Erlebtes Längst Entschwebtes, Mit Gestalten Leicht Verwebtes,

Wie sie kommen, wie sie fliehn Launekinder, Phantasien, Bilder im Vorüberziehn, Liebespoesien!

Ludwig Eichrodt

(1827 - 1892), Pseudonym Rudolf Rodt, deutscher Schriftsteller






Ist mir oft der Wunsch gekommen Abzuschütteln diese Glieder,

Dieses Herz voll Sturm und Wunden Seid mir theuer, bittre Stunden, Aber kehret niemals wieder!

Kannst du zwischen Zeilen lesen, Steht es flammend dir geschrieben:

Nur der Wahnsinn flucht dem Leben, Nur den Thoren macht es beben Wers begriffen, wird es lieben.

Ludwig Eichrodt

(1827 - 1892), Pseudonym Rudolf Rodt, deutscher Schriftsteller






    Unsern Glauben, nein, nein!, den lassen wir uns nun nicht "nehmen"!

Schreien die Ängstlichen nur, welche der Zweifel gepackt.

Ludwig Eichrodt

(1827 - 1892), Pseudonym Rudolf Rodt, deutscher Schriftsteller






Gefesselt 

Liebesglück und Liebesschmerz Die Minute macht zum Sklaven,

O des Gottes Pfeile trafen Mein gestählt gewappnet Herz. Trage Ketten, golden süß,

Aber immer sind es Ketten, Goldne Ketten, süße Ketten, Aber Ketten sinds gewiß.

In des Lebens Blütenzeit Tief verletzt und schwer gebunden,

Und in Fesseln und in Wunden Dennoch diese Seligkeit?

Ludwig Eichrodt

(1827 - 1892), Pseudonym Rudolf Rodt, deutscher Schriftsteller






Sehnsucht im Herbst 

O welch ein Lied mit süßen Heimatsklängen, Welch ein Akkord voll Glück und Schmerz,

Als ob die Nachtigallen alle sängen, Erregt aufs Neue mir das Herz!  Ihr Nachtigallen,

könnt ich mit euch ziehn! Mich zieht es hin zu jenen linden Lüften,

Wie es den Vogel nach dem Maimond zieht, Zu Lorbeerhainen, ach zu Sonnentriften! Mein Vaterland ist,

wo der Frühling blüht, Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht!

Mein Sinn, mein Trübsinn nach der Heimat steht! O lockend Lied, wer ist wie du beredt?

Ludwig Eichrodt

(1827 - 1892), Pseudonym Rudolf Rodt, deutscher Schriftsteller






Frühling 

Frühling, bist du wiedergekommen? Lieblicher Lenz, du lachendes Kind!

Kommst du auf dem Fluß geschwommen? Oder kommst du mit dem Wind? 

Unter den weichen singenden Wellen, Aus den Wassern melodisch klar, Über die Hügel,

die waldig schwellen, Luget dein kluges Augenpaar. Schaue ich nur in dein sonniges Auge,

Küsse ich nur deinen wonnigen Mund, Trink ich von deinem blühenden Hauche,

Wird auch mein winterlich Herze gesund!

Ludwig Eichrodt

(1827 - 1892), Pseudonym Rudolf Rodt, deutscher Schriftsteller







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