Dahn Therese


Geboren: 28. Mai 1845, Münster

Gestorben: 21. Januar 1929, Breslau, Polen

Bücher: Walhall: germanische Götter, mehr...



Dahn Therese inspirierte ihren Mann zu einer reichen literarischen Produktion und unterstützte seine Publikationen. So rettete sie seinen Erfolgsroman Ein Kampf um Rom, als Dahn ihn ins Feuer werfen wollte. Zugleich unterstützte sie seine Forschungen. Felix Dahn rühmte ihre Sprachbegabung. Um die Quellen im Original lesen zu können, lernte sie z. B. die nordische und Altnordische Sprache, aber auch Altfranzösisch und die Provenzalische Sprache. Sie schrieb zahlreiche Gedichte und wissenschaftliche Beiträge, die teils in gemeinsamen Publikationen erschienen. Laut Felix Dahn hatte sie die alleinige Autorenschaft für die Heldensagen. In der Gedichtausgabe sind die von ihr stammenden Gedichte namentlich gekennzeichnet. Nach dem Tode ihres Mannes veröffentlichte sie allein das Werk Karl der Große und seine Paladine.






Desselben Weges wandern wir 

Langsam und spät stieg ich empor, nun steh ich hoch und frage:

"Bin wohl auch ich ein Meteor am Himmel deiner Tage?

Läßt mich das Schicksal vor der Zeit dir im Zenith verschwinden?

Spannt sich der Horizont uns weit, bis Nacht und Tod mich finden?"

Du blickst mich an und streichelst mir liebkosend Wang' und Haare:

"Desselben Weges wandern wir, ob kurz, ob lang, zur Bahre."

 Therese Dahn

(1845 - 1929), geb. Therese von Droste-Hülshoff, deutsche Schriftstellerin

Quelle: Dahn, Gedichte in: Felix Dahn’s sämtliche Werke poetischen Inhalts 21 Bde., 1899 Neufassung in 4 Bänden 1903






Wasserfahrt 

Manchmal nachts an Meereswogen Steht ein Kind,

des Sehnens voll: Dann kommt ein Delphin gezogen, Trägt das Kind durchs Flutgeroll.

Meerfrau'n steigen auf im Kreise, Hoch der Mond am Himmel schwebt,

Und sie schaun's und murmeln leise: "'s ist ein Stern, der wandern geht."

 Therese Dahn

(1845 - 1929), geb. Therese von Droste-Hülshoff, deutsche Schriftstellerin

Quelle: Dahn, Gedichte in: Felix Dahn’s sämtliche Werke poetischen Inhalts 21 Bde., 1899 Neufassung in 4 Bänden 1903






Treue 

Geächtet, verbannt von Kaiser und Land, Verschollen im Kerker und Ketten,

Und alle Freunde von ihm gewandt, Und sein Schwert kann ihn nicht erretten! 

Doch fern im heimischen, nordischen Gau Vernahm's die geliebte, getreue Frau.

Sie stieg von der hohen Burg herab, Umtost von schneidenden Winden,

Und zog die Straßen auf und ab, Den Heißgeliebten zu finden, Mit blutendem Fuß,

mit zerrißnem Kleid Und tief im Herzen der Liebe Leid.

Sie fragte die Straßen hin und her: "Oh sprecht, habt ihr ihn gesehen?"

Doch keiner sagte noch wußt' es mehr, Und alle hießen sie gehen.

Sie aber wanderte weiter durchs Land, Bis daß sie vor seinem Kerker stand.

Sie konnt' ihn nicht hören, nicht schau'n sein Gesicht, Nicht Freiheit,

noch Einlaß erwerben, Wich Tag und Nacht von dem Kerker nicht,

Wollt' lieber mit ihm verderben, Mit blutendem Fuß, mit zerrißnem Kleid, Im treuen Herzen der Liebe Leid.

 Therese Dahn

(1845 - 1929), geb. Therese von Droste-Hülshoff, deutsche Schriftstellerin

Quelle: Dahn, Gedichte in: Felix Dahn’s sämtliche Werke poetischen Inhalts 21 Bde., 1899 Neufassung in 4 Bänden 1903






Wilde Rose 

Sie ist nicht strahlend, ist nicht schön, Die Rose wild auf Bergeshöh'n: 

In Wind und Wetter, Sturm und Regen Kein freundlich Obdach,

sie zu hegen: So steht sie einsam, ungekannt, Dort oben an des Hügels Rand.

Sie aber glühet, duftet, lacht Und neidet nicht der Schwestern Pracht.

Denn knospend, dorn'gem Stamm entsprossen, Hat sie der Sonne sich erschlossen,

Und nur im goldnen Sonnenschein Verglüht ihr Leben, süß und rein.

 Therese Dahn

(1845 - 1929), geb. Therese von Droste-Hülshoff, deutsche Schriftstellerin

Quelle: Dahn, Gedichte in: Felix Dahn’s sämtliche Werke poetischen Inhalts 21 Bde., 1899 Neufassung in 4 Bänden 1903






Zorn 

Beschüttet mich mir eurem Haß und Spotte Und scheltet und verdammt: ich trag' es gern,

Doch meiner Seele Heiligtum und ihrem Gotte, Unfreundliche Bedränger, bleibet fern! 

Ja, raubt sie mir, des Lebens schönste Stunden, Zerstört, was ihr nicht kennt:

ein heißes Glück; Jedoch vor dem, was ich so wahr empfunden,

Verstummt und weicht gesenkten Blicks zurück!  Ich will sie freudig tragen, all die Schrecken,

Die mir gescheh'n nach eures Willen Lauf, Doch wagt ihr's,

lästernd meinen Zorn zu wecken: Erbebt! denn mit ihm steht die Rache auf!

 Therese Dahn

(1845 - 1929), geb. Therese von Droste-Hülshoff, deutsche Schriftstellerin

Quelle: Dahn, Gedichte in: Felix Dahn’s sämtliche Werke poetischen Inhalts 21 Bde., 1899 Neufassung in 4 Bänden 1903






Wunsch für ihn 1870 

Gedulde dich! Es kommt der Tag, da wird es dir gewähret,

Was du mit jedem Herzensschlag, so überheiß begehret.

Dir funkelt's aus dem Adlerblick, dir sprüht's um Haupt und Rechte Du

gehrst nach blut'gem Kampfgeschick todbringender Gefechte.

Und brichst du dann, du stolzes Herz, sollst du noch einmal fassen Des Lebens Lust:

doch sonder Schmerz um das, was du mußt lassen.

 Therese Dahn

(1845 - 1929), geb. Therese von Droste-Hülshoff, deutsche Schriftstellerin

Quelle: Dahn, Gedichte in: Felix Dahn’s sämtliche Werke poetischen Inhalts 21 Bde., 1899 Neufassung in 4 Bänden 1903






Zu dir 

Und fällt ein Reif auf all' mein Wagen, Und seufzt ein angsterfülltes Fragen In mir:

Und schüttelt Schmerz mir wild die Glieder, 

Trägt's mich doch hoch auf Sturmgefieder Zum Licht! Mein mut'ger Stolz lernt nicht verzagen,

Mein heißes Herz wird nie entsagen, Bis daß es bricht: Ich singe deine Zauberlieder:

Vor allen ZweifelN flücht' ich wieder Zu dir!

 Therese Dahn

(1845 - 1929), geb. Therese von Droste-Hülshoff, deutsche Schriftstellerin

Quelle: Dahn, Gedichte in: Felix Dahn’s sämtliche Werke poetischen Inhalts 21 Bde., 1899 Neufassung in 4 Bänden 1903






Lebensdrang 

Zerre nicht ferner am bergenden Schleier, Hüllt sich in Dunkel doch ewiges Sein!

Ladet das Leben zur bunten Feier, Thörichtes Herz, uns nicht lockend ein?

Heija! erschließen dem werbenden Rausche Will ich Gedanken und alles, was mein:

Nimm mich dahin im heiligen Tausche, Schönste Wahrheit ist: Mensch zu sein.

 Therese Dahn

(1845 - 1929), geb. Therese von Droste-Hülshoff, deutsche Schriftstellerin

Quelle: Dahn, Gedichte in: Felix Dahn’s sämtliche Werke poetischen Inhalts 21 Bde., 1899 Neufassung in 4 Bänden 1903






Sorge 

Ich wand're rastlos getrieben, voll Weh Um dich, du geliebter Mann,

Wie von der Meute gehetzt, das Reh Durchfliegt den ertosenden Tann.

Den stechenden Stachel tief in der Brust: Die zehrenden Sorgen um dich!

Und heiße Flammen voll Qual und Lust Versengen, verschlingen mich.

 Therese Dahn

(1845 - 1929), geb. Therese von Droste-Hülshoff, deutsche Schriftstellerin

Quelle: Dahn, Gedichte in: Felix Dahn’s sämtliche Werke poetischen Inhalts 21 Bde., 1899 Neufassung in 4 Bänden 1903






Anemonen 

Sie sprießen licht aus Waldesnacht, Ohne reichen Duft, ohne Farbenpracht,

Unter den großen, alten Bäumen, Über das Moos wie flutend Träumen.

Wann der Wind vorüber streicht, Neigen sie ihre Köpfchen leicht,

Aber wo die Sonne licht Durch die Blätterkronen bricht,

Saugen sie all das goldige Scheinen Sehnsuchtsvoll in den Kelch, den kleinen.

So blühen sie scheu, ohne Glanz und Pracht: Die lichten Kinder der Waldesnacht.

 Therese Dahn

(1845 - 1929), geb. Therese von Droste-Hülshoff, deutsche Schriftstellerin

Quelle: Dahn, Gedichte in: Felix Dahn’s sämtliche Werke poetischen Inhalts 21 Bde., 1899 Neufassung in 4 Bänden 1903







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