Däubler Theodor


Geboren: 17. August 1876, Triest, Italien

Gestorben: 14. Juni 1934, St. Blasien

Bestattet: Friedhof Heerstraße, Berlin

Nominierungen: Nobelpreis für Literatur

Bücher: Das Nordlicht, Mit silberner Sichel, mehr...



Däubler Theodors erste Werke erschienen 1910, die von den Dichtern des gerade aufkommenden Expressionismus begeistert aufgenommen wurden, unter anderem Das Nordlicht 1910, ein wortmächtiges Versepos in drei Bänden, an dem Däubler seit 1898 gearbeitet hatte. Diese sog. Florentiner Fassung überarbeitete er, und sie wurde 1921-22 in nunmehr zwei Bänden als „Genfer Fassung“ neu herausgegeben. Das Versepos wurde 1916 von dem damals jungen politischen Philosophen Carl Schmitt in einer Monographie enthusiastisch interpretiert Schmitt, Carl: Theodor Däublers Nordlicht - Drei Studien über die Elemente, den Geist und die Aktualität des Werkes. München 1916. Eine späte „Athener Fassung“ blieb Fragment. 1921 ging Däubler nach Griechenland, von wo aus er auch Ägypten, Syrien und Palästina bereiste und gelegentliche Reiseberichte für deutsche Zeitungen schrieb. Im Januar 1921 weilte Däubler im Schweizer Kurort Arosa, wohin er im Herbst 1928 zurückkehrte und dort vermutlich einen Text über Arosa verfasste, der im Februar 1929 in der Zeitschrift Atlantis erschien.  Schwer krank kehrte Däubler 1926 nach Deutschland zurück. Nach seiner Genesung begann er neue Reisen nach Italien, Skandinavien, England, Frankreich und durch den Balkan. Ende der 1920er Jahre wurde Däubler für sein Werk wiederholt geehrt. So erhielt er die Goethe-Medaille, wurde Mitglied der Akademie der Künste, Ehrendoktor der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin und Vorsitzender des deutschen PEN-Clubs Dezember 1927. 1932 erkrankte er an Tuberkulose. Nach einem Schlaganfall 1933 brachte ihn seine Schwester zur Kur nach St.Blasien, wo er 1934 im Sanatorium St. Blasien starb.






Der Mond wurde mir zum ersten Architekten, da er eine silberne Brücke durch die Nacht,

den Schlaf der Wesen, zu bauen imstande war.

 Theodor Däubler

(1876 - 1934), deutscher Schriftsteller 

Quelle: Däubler, Das Nordlicht, entst. 1904-1906 und 1898-1910






Diadem 

Die Bogenlampen krönen Sonnenuntergänge, Ihr lila Scheinen wird den Abend überleben.

Sie geistern schwebend über lärmendem Gedränge.

Es muß verglaste Früchte andrer Welten geben! Beschwichtigt nicht ihr Lichtgeträufel das Getöse?

Ich kann das Wesen dieser Lampen schwer vernehmen.

Die Sterne scheinen klug, der Mond wird gerne böse. Warum erblaßt du unter Sternendiademen?

 Theodor Däubler

(1876 - 1934), deutscher Schriftsteller 

Quelle: Däubler, in: Menschheitsdämmerung. Symphonie jüngster Dichtung, Berlin 1920






Am Himmel steht der erste Stern, Die Wesen wähnen Gott den Herrn,

Und Boote laufen sprachlos aus, Ein Licht erscheint bei mir zu Haus.

Die Wogen steigen weiß empor, Es kommt mir alles heilig vor.

Was zieht in mich bedeutsam ein? Du sollst nicht immer traurig sein.

Theodor Däubler

(1876 - 1934), deutscher Schriftsteller






An die Person mit dem japanischen Fächer 

Wenn dein kalter Sagenblick Grau in meine Seele bricht, Packt mich heftig das Geschick,

Und ich halte selbst Gericht.  Meine Nacktheit siehst du dann.

Ich, ein frierend Bettelkind, Schäme mich in deinem Bann.

Wittre, was wir beide sind.  Schlange, du gefällst mir nicht, Zischle wild an mir vorbei.

Leicht war wieder der Verzicht. Freuden flüchtet! Ich bin frei!

Theodor Däubler

(1876 - 1934), deutscher Schriftsteller






Die Gründlichkeit der Welt verschmäht die Maße, in denen sich der Hang zur Dinglichkeit verrät…

Theodor Däubler

(1876 - 1934), deutscher Schriftsteller






Den Griechen 

Das Inselmeer zertrümmert eine Sonne, In zärtlicher Umblauung, jeden Tag,

Beschenkt mir ihren Splittern Wald und Hag, Beschert auch uns Verwundertheit und Wonne.

Der Mann durchgoldet froh die kühle Tonne Mit Saft, der Plage mundendem Ertrag:

Er stärke ihn vom Palikaren-Schlag, Die Söhne auch, als kommende Kolonne!

Reicht heitre Griechensonne mir im Becher! Der Trank ist stark: ihr Gastlichen habt Dank!

Zu euch gehört der Fremdling bald als Zecher. Des Weines Heimat feiern wir mit Sang.

Sein Gott war kühn und ein beherzter Sprecher: Von Freiheit kündet uns der tolle Schwank.

Theodor Däubler

(1876 - 1934), deutscher Schriftsteller






Weg 

Mit dem Monde will ich wandeln: Schlangenwege über Berge Führen Träume,

bringen Schritte Durch den Wald dem Monde zu. Durch Zypressen staunt er plötzlich,

Daß ich ihm entgegengeh. Aus dem Ölbaum blaut er lächelnd, Wenn michs friedlich talwärts zieht.

Schlangenwege durch die Wälder Bringen mich zum Silbersee: Nur ein Nachen auf dem Wasser,

Heilig oben unser Mond. Schlangenwege durch die Wälder Führen mich zu einem Berg.

Oben steht der Mond und wartet, Und ich steige leicht empor.

Theodor Däubler

(1876 - 1934), deutscher Schriftsteller






Winter 

Geduldig ist der Wald, Behutsamer der Schnee, Am einsamsten das Reh.

Ich rufe. Was erschallt?  Der Widerhall macht Schritte.

Er kehrt zurück zu seinem Weh: Das kommt heran wie leise Tritte.

Er findet mich in meiner Mitte.  Warum hab ich den Wald gestört?

Vom Schnee ward nichts gehört. Hat sich das Reh gescheut? Wie mich das Rufen reut.

Theodor Däubler

(1876 - 1934), deutscher Schriftsteller






Purpurschwere, wundervolle Abendruhe, grüßt die Erde, kommt vom Himmel, liebt das Meer.

Tanzgestalten, rot gewandet, ohne Schuhe, kamen rasch, doch sie versinken mehr und mehr.

Theodor Däubler

(1876 - 1934), deutscher Schriftsteller






Den Ararat wird meine Glut zerspalten!

Theodor Däubler

(1876 - 1934), deutscher Schriftsteller






Venedig, bunt ergießt sich deine Ernte Aus Blumenseelen in die frohe Welt,

Denn jeder Duft, der sich von dir entfernte, Trug Samen in der Zukunft Blütenfeld.

Die Nelken deiner Vorwelt sind erstanden. Ihr Zauber hat Carpaccios Traum durchwebt.

In Basaitis blühenden Girlanden Sind Mohnblumen, Zyanen traut belebt.

Mansueti hat ein holdes Sonnenmotto: Das Veilchen blüht in seiner keuschen Hand,

Die großen Glocken des Lorenzo Lotto Umträumen oft ein goldnes Sommerland.

Bellinis: du Giovanni, du Gentile, Ich pflücke Astern oft in eurem Traum!

Die Distel flicht sich dicht zum dürren Stile, Doch über euch grünt fromm ein Lorbeerbaum!

O Tintoretto, lauter goldne Trauben, Ein braunes Erntefeld hast du erschaut,

Des Herbstes Wolkengold und Kupferlauben Sind abendhold in dir emporgegraut.

Venedig, ganz Arkadien ist erstanden! Dein Veronese flüstert für den Lenz.

Die Träumer, die an deinem Strande landen, Erstaunt Venedigs Weltmagnifizenz.

 Theodor Däubler

(1876 - 1934), deutscher Schriftsteller 

Quelle: Däubler, in: Menschheitsdämmerung. Symphonie jüngster Dichtung






Durch Geburt und Tod bleiben wir jedoch auf urwunderreichen eignen Beschluß hin geschieden.

Erst rein geistig wollen wir uns finden, über uns als Menschen hinaus im pfingstlichen Ich.

 Theodor Däubler

(1876 - 1934), deutscher Schriftsteller 

Quelle: Däubler, Das Nordlicht, entst. 1904-1906 und 1898-1910






Mit den äußeren Sinnen fühlen und sehen wir den Boden unter uns, die Sonne über uns.

Mit dem innersten Sinn sind wir einig, urverbunden mit allen Welten: Sonne ist bloß unser herrlichster Inhalt.

 Theodor Däubler

(1876 - 1934), deutscher Schriftsteller 

Quelle: Däubler, Das Nordlicht, entst. 1904-1906 und 1898-1910







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