Claar Emil


Geboren: 7. Oktober 1842, Lwiw, Ukraine

Gestorben: 25. Juli 1930, Frankfurt am Main



Claar Emil öffnete das Theater durch die Einführung von Volks und Nachmittagsvorstellungen für weite Bevölkerungskreise. Er setzte sich für naturalistischen Dramatiker Henrik Ibsen, August Strindberg und Gerhart Hauptmann ein, vermied jedoch in der Regel Erstaufführungen. Um kein Risiko einzugehen, inszenierte er meist nur Stücke, die bereits andernorts erfolgreich gewesen waren, vor allem in Berlin. Unter seiner Leitung erwarben sich die Städtischen Bühnen einen Ruf als eine der führenden deutschen Bühnen. Claar trat auch als Schriftsteller und Dramatiker in Erscheinung, wenn auch mit weniger nachhaltigem Erfolg. Er war verheiratet mit der Sängerin und Schauspielerin Hermine Claar-Delia 1848–1908.

 





Von deinem Leben 

Siehst du den eigenen Schatten vergehn Still an der Mauer,

Siehst du die ziehende Wolke verweh'n Im Regenschauer, 

Siehst du den steigenden Morgenrauch In Nichts verschweben

So siehst du Anfang und Ende auch Von deinem Leben.

Emil Claar

(1842 - 1930), eigentlich Emil Rappaport, österr. Schauspieler, Schriftsteller und Theaterintendant 






Modernes Streben 

Der eine redet, der andre dichtet, Der dritte entdeckt, der vierte reist,

Und alles ist darauf gerichtet, Daß man nach ihnen mit Fingern weist.

Emil Claar

(1842 - 1930), eigentlich Emil Rappaport, österr. Schauspieler, Schriftsteller und Theaterintendant 






Weltbrauch 

Wo du erhofft Helfende That, Entpuppt sich oft Ein guter Rat.

Emil Claar

(1842 - 1930), eigentlich Emil Rappaport, österr. Schauspieler, Schriftsteller und Theaterintendant 






Wenn die Frauen toll und wild Uns in Eifersucht umwüten,

Meinen se nur sanft und mild Ihre Liebe zu behüten.

Emil Claar

(1842 - 1930), eigentlich Emil Rappaport, österr. Schauspieler, Schriftsteller und Theaterintendant 






Du warst so lieb

Du warst so lieb in schweren Tagen Als andre mir im Zorn genaht,

So lieb, ich kann dir's gar nicht sagen, Du frugst mich sanft nach arger Tat.

Ich sah dein Auge mild sich feuchten, Von Mitleid zauberisch erhellt,

Und sah darin die Mahnung leuchten. Ich denke anders als die Welt.

Ich sah dich stumm, als andre lärmten, Und sah dich lächelnd weiter geh'n

Als alle wieder mich umschwärmten Und fühlte, wie wir uns versteh'n!

Du warst so lieb in schweren Tagen, Und hobest und befreitest mich,

So lieb, ich kann dir's gar nicht sagen Und immer denke ich an dich!

Emil Claar

(1842 - 1930), eigentlich Emil Rappaport, österr. Schauspieler, Schriftsteller und Theaterintendant 

Quelle: Emil Claar: Gedichte. Vom Baum der Erkenntnis, 1909






Die Wunderrose 

Die Rose, die du mir gegeben, Sie blühte lang an meiner Brust,

Und hat es nicht gewußt Was ihr verlieh dies tiefe Leben. 

Daß nichts als Staub von ihr verbliebe, Wär' sie in Stunden fortgerafft,

Sie sog durch Tage Daseinskraft Aus deiner Liebe!

Emil Claar

(1842 - 1930), eigentlich Emil Rappaport, österr. Schauspieler, Schriftsteller und Theaterintendant 

Quelle: Emil Claar: Gedichte. Vom Baum der Erkenntnis, 1909






Gedanken 

Ich könnte schwelgen tief in Schweigen, Ich könnte jubeln hoch in Tönen,

Könnt' ich, ob laut, ob stumm der Reigen, Mir nur das Denken abgewöhnen! 

Gedanken martern um das Gestern, Gedanken martern um das Morgen,

Und hegen Brut in warmen Nestern Und flattern auf als ew'ge Sorgen.

Emil Claar

(1842 - 1930), eigentlich Emil Rappaport, österr. Schauspieler, Schriftsteller und Theaterintendant 

Quelle: Emil Claar: Gedichte. Vom Baum der Erkenntnis, 1909






Bei Lebzeiten 

Was man tadelt, wenn ich sterbe, Was man lobt, ist einerlei,

Aber eines als mein Erbe, Möcht' ich künden todesfrei.

In dem langen Lebenswandern, Hab' die Menschen ich geliebt,

Die gefühlt im Los der andern, Wie viel Weltenleid es gibt.

Die nicht stets zum Lebensfeste An der Not vorbeigehetzt Und

von ihres Prunkmahls Reste Noch des Darbens Blut geletzt.

Solche liebte ich nicht minder, Die empfinden mitleidrein,

Daß das Tier, nach Art der Kinder, Liebe braucht in Erdenpein.

Jene aber konnt' ich hassen, Die in stolzer Stellung stumm Ihre Würde dampfen lassen So

wie Weihrauch rundherum!  Die sich glauben zu erniedern,

Wenn sie einem schlichten Wicht Steinern nicht den Gruß erwidern,

Ohne Lächeln im Gesicht.  Menschen liebt ich, Menschenherzen,

Welche echter Gottheit Bild, Ob im Glücke,

ob in Schmerzen Menschlich bleiben, gut und mild.

Emil Claar

(1842 - 1930), eigentlich Emil Rappaport, österr. Schauspieler, Schriftsteller und Theaterintendant 

Quelle: Emil Claar: Gedichte. Vom Baum der Erkenntnis, 1909






Lebensgang 

Wohl denjen'gen, die auf graden Wegen und auf eb'nen Pfaden,

Durften wallen durch die Jugend In geborg'ner Lust und Tugend!

Aber wehe allen denen, die in Not und Schmach und Tränen,

Gut und Böse selber wählend, Ringen mußten mit dem Elend.

Wenn sie spätes Glück auch hatten, Unaufhellbar tiefe Schatten

Werden stets ihr Haupt umweben, Und verdunkeln all ihr Leben.

Emil Claar

(1842 - 1930), eigentlich Emil Rappaport, österr. Schauspieler, Schriftsteller und Theaterintendant 

Quelle: Emil Claar: Gedichte. Vom Baum der Erkenntnis, 1909






Lebensgang 

Wohl denjen'gen, die auf graden Wegen und auf eb'nen Pfaden,

Durften wallen durch die Jugend In geborg'ner Lust und Tugend!

Aber wehe allen denen, die in Not und Schmach und Tränen,

Gut und Böse selber wählend, Ringen mußten mit dem Elend.

Wenn sie spätes Glück auch hatten, Unaufhellbar tiefe Schatten Werden

stets ihr Haupt uRache des Geschicks  Aufrecht unter allem Drange Und

mit stolz erhobnem Haupt, Wehrend jedem Niederzwange,

Hab' gekämpft ich und geglaubt!  So des Schicksals wüsten Wettern

Hab' getrotzt ich als ein Mann. Will es jetzt mich ganz zerschmettern,

Hat es recht, sobald es kann.weben, Und verdunkeln all ihr Leben.

 Emil Claar

(1842 - 1930), eigentlich Emil Rappaport, österr. Schauspieler, Schriftsteller und Theaterintendant 

Quelle: Emil Claar: Gedichte. Vom Baum der Erkenntnis, 1909







Seite 1 von 9