Calé Walter


Geboren: 1881, Berlin

Gestorben: 1904, Freiburg im Breisgau

Bücher: Und keine Brücke ist von Mensch zu Mensch



Walter Calé am 8. Dezember 1881 in Berlin geboren. Nach dem Abitur begann er 1899, ohne sonderliche innere Neigung, in Berlin und Freiburg i. Br. ein juristisches Studium. Nach dem fristgerechten Einreichen der schriftlichen Examensarbeit brach er, auf das Drängen von Freunden und eigene Zweifel hin, im November 1903 dieses Studium kurz vor der mündlichen Prüfung ab. In der nachfolgenden Periode psychischer Erschütterung und tiefer Beschämung über dieses Scheitern wandte er sich fortan der Philosophie zu und konzipierte eine umfangreiche Arbeit über die Neu-Platoniker. Daneben hielt er mehrere Vorträge in einem Berliner Verein für Kunst und Wissenschaft und verstärkte seine eigenen literarischen Aktivitäten. Trotz eines unübersehbar todessehnsüchtigen Zuges in Calés Gedichten erschien sein plötzlicher Freitod am 3. November 1904 völlig überraschend.  Den größten Teil seines literarischen Werkes, darunter einen mehrbändigen „psychologischen“ Roman mit dem Titel Professor Elias Pistocelius und sein Haus sowie weitere umfangreiche philosophische und philologische Studien, hatte Calé zuvor bereits eigenhändig vernichtet. Die übrigen Werke, die dieser Zerstörung durch Zufall entgangen waren, erschienen schließlich im Jahre 1907 im renommierten Berliner S. Fischer Verlag als Nachgelassene Schriften eines bis dahin völlig unbekannten Autors. Dieser von seinem Freund Arthur Brückmann herausgegebene Band vereinte rund hundert Gedichte und Lieder, das dramatische Fragment Franciscus, die Novelle Regina del Lago und die Märchenerzählung Geschichte vom Xaver Dampfkessel und der Dame Musica sowie einige Seiten Tagebuchaufzeichnungen.

 





Mancher gehört sein Leben lang zum Publikum.

 Walter Calé

(1881 - 1904, Freitod), deutscher Lyriker 

Quelle Nachgelassene Schriften von Walter Calé, hg. v. Fritz Mauthner, Fischer Verlag, Berlin 1910






Kunst ist das Mittel der Gestalt,

Philosophie das Mittel der Erkenntnis.

 Walter Calé

(1881 - 1904, Freitod), deutscher Lyriker 

Quelle Nachgelassene Schriften von Walter Calé, hg. v. Fritz Mauthner, Fischer Verlag, Berlin 1910






Am Ende erlebt man nur viel, um viel vergessen zu können.

 Walter Calé

(1881 - 1904, Freitod), deutscher Lyriker 

Quelle Nachgelassene Schriften von Walter Calé, hg. v. Fritz Mauthner, Fischer Verlag, Berlin 1910






Man besitzt nur die Seele,

die sich uns gab, nicht die, die man sich nahm.

 Walter Calé

(1881 - 1904, Freitod), deutscher Lyriker 

Quelle Nachgelassene Schriften von Walter Calé, hg. v. Fritz Mauthner, Fischer Verlag, Berlin 1910






Was könnten wir einander nicht verzeihn?

 Walter Calé

(1881 - 1904, Freitod), deutscher Lyriker






An Dich 

Was fruchtet's, daß in schmerzlichen Entwürfen dir Tag um Tag scheu wie ein Dieb entschleicht!

Aus jedem goldnen Becher sollst du schlürfen den Trank, den jede goldne Stunde reicht,

denn jede Blüte, die du nicht gebrochen, und jeder ungehörte Saitenklang und jedes Glück,

das du nicht ausgesprochen, fällt als ein Tropfen Reue in den Trank. 

Und was vergangen ist, das sei vergangen! Der neue Tag führt neues Licht herauf.

Tot sind die Lieder, die noch gestern klangen. Was kümmert's dich? Zieh neue Saiten auf!

  Der Augenblick ist Leben und Erringen, verlornes Glück, verklungenes Getön.

Wenn es verklang, wo wird's auch wieder klingen, du bist ja noch so jung und bist so schön!

 Walter Calé

(1881 - 1904, Freitod), deutscher Lyriker






Encore 

Nun bist du ruhig, liebes Herz. Die Schmerzen gleiten nur so von weitem noch heimatwärts.

Das waren trübe Zeiten.  Der Mond wacht schon am Himmel lang.

Mir quillt versonnen aus Seelenbronnen ein kühler Sang von neuen lieben Wonnen. 

Was sing' ich denn die trübe Nacht? Laßt uns doch warten!

Bald kommt in Fahrten von hoher Pracht der Tag in unsern Garten. 

Die böse Sehnsucht ist mir tot. Der Tag will schlingen um mich ein Klingen.

Glück wuchs aus Not. Wie will ich fröhlich singen!

 Walter Calé

(1881 - 1904, Freitod), deutscher Lyriker






Manche Leute wollen nie, sondern "möchten" bloß.

 Walter Calé

(1881 - 1904, Freitod), deutscher Lyriker






Die Nuancen sind das Unüberbrückbare.

 Walter Calé

(1881 - 1904, Freitod), deutscher Lyriker






Ich habe, liebe Brüder, ein gutes Haus bewohnt,

darinnen Lichter spielen, darüber stand der Mond. 

Und vorne sprang ein Brunnen als wie ein dünner Hauch,

und jeden lieben Abend, da kam die Schwester auch. 

Sie kam gelind geschritten, nur wie ein Ton und Klang,

sie lehnt' an Brunnens Rande, sie hob den Nachtgesang. 

Sie lockt' aus meiner Kammer sie lockt' mich in die Nacht,

ich habe bei der Schwester ein Stündlein zugebracht. 

Die Schwester sang am Brunnen, ich habe nichts begehrt,

ich bin nach einem Stündlein ins Haus zurückgekehrt. 

Darinnen Lichter spielen, darüber stand der Mond

so habe ich, liebe Brüder, ein gutes Haus bewohnt.

 Walter Calé

(1881 - 1904, Freitod), deutscher Lyriker







Seite 1 von 4