Ball Hugo


Geboren: 22. Februar 1886, Pirmasens

Gestorben: 14. September 1927, Sant’Abbondio TI

Ehepartnerin: Emmy Hennings (verh. 1920–1927)

Filme: Filmstudie



Ball Hugo begann nach dem Abitur im Oktober 1906 das Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie in München und wurde ein glühender Verehrer der Musik von Max Reger. 1907 wechselte er für zwei Semester nach Heidelberg, wo er eine Vorlesung über Schopenhauer und Nietzsche hörte und sein Dissertationsprojekt entwickelte. Ab 1908 war er in München immatrikuliert. 1909/1910 studierte er wieder zwei Semester in Heidelberg und arbeitete in Schnaitsee an seiner Dissertation Nietzsche in Basel, die er jedoch nicht einreichte und die erst 1978 veröffentlicht wurde. Er brach sein Studium im Frühjahr 1910 ab. Es entstand ein offener Konflikt mit seiner Familie.

 





Das Gespenst

Gewöhnlich kommt es, wenn die Lichter brennen. Es poltert mit den Tellern und den Tassen.

Auf roten Schuhen schlurrt es in den nassen Geschwenkten Nächten und man hört sein Flennen. 

Von Zeit zu Zeit scheint es umherzurennen Mit Trumpf, Atout und ausgespielten Assen.

Auf Seil und Räder scheint es aufzupassen Und ist an seinem Lärmen zu erkennen. 

Es ist beschäftigt in der Gängelschwemme Und hochweis weht dann seine erzene Haube,

Auf seinen Fingern zittern Hahnenkämme,  Mit schrillen Glocken kugelt es im Staube.

Dann reißen plötzlich alle wehen Dämme Und aus der Kuckucksuhr tritt eine Taube.

Hugo Ball

(1886 - 1927), deutscher Schriftsteller und Kulturkritiker, Mitbegründer der Dada-Bewegung






Es gibt keinen Menschen,

der nicht mehr zu lernen als zu lehren hätte.

Hugo Ball

(1886 - 1927), deutscher Schriftsteller und Kulturkritiker, Mitbegründer der Dada-Bewegung






Eine Umarmung ist ein ideales Geschenk.

Die Größe paßt jedem, und niemand hat etwas dagegen,

wenn man es weitergibt.

Hugo Ball

(1886 - 1927), deutscher Schriftsteller und Kulturkritiker, Mitbegründer der Dada-Bewegung






Wir kennen jeden, nur uns selbst kaum.

Hugo Ball

(1886 - 1927), deutscher Schriftsteller und Kulturkritiker, Mitbegründer der Dada-Bewegung






Das Bild ist die Mutter des Wortes.

Hugo Ball

(1886 - 1927), deutscher Schriftsteller und Kulturkritiker, Mitbegründer der Dada-Bewegung






Die Ersten 

Die Ersten sinds, sie sind im besten Zug Vom willenlosen Haufen sich zu lösen. Erkennend eitel Schimmer,

seichten Trug Der großen Reden abgenützte Blößen, Klangvolle Phrasen, ein vereinter Schwall Der überflutet Erdehöhen

und Täler, Allüberall der gleiche Wiederhall, Der gleiche Köder und der gleiche Wähler.

Wohl wächst der Massen Schrei nach Glück und Brot Doch übertönt er nicht die Worte der Vertreter,

Es fallen Opfer tiefster Seelennot, Die Masse fällt dein Zeichen der Verräter. So lausch ich freudig,

wenn mit wildem Schrei Die Brust erfüllt von froher Zukunft ahnen Sich einer ringt vom Heerdentaumel frei Kraftvoll empor

auf selbstgewollten Bahnen.

 Hugo Ball

(1886 - 1927), deutscher Schriftsteller und Kulturkritiker, Mitbegründer der Dada-Bewegung 

Quelle: Ball, Gedichte. Erstdruck 1916. Originaltext






Ich liebte nicht 

Ich liebte nicht die Totenkopfhusaren Und nicht die Mörser mit den Mädchennamen

Und als am End die großen Tage kamen, Da bin ich unauffällig weggefahren. 

Gott sei's geklagt und ihnen, meine Damen: Gleich Absalom blieb ich an langen Haaren,

Dieweil sie schluchzten über Totenbahren Im Wehbaum hängen aller ihrer Dramen. 

Sie werden auch in diesen Versen finden Manch Marterspiel und stürzend Abenteuer.

Man stirbt nicht nur durch Minen und durch Flinten.  Man wird nicht von Granaten nur zerrissen.

In meine Nächte drangen Ungeheuer, Die mich die Hölle wohl empfinden ließen.

 Hugo Ball

(1886 - 1927), deutscher Schriftsteller und Kulturkritiker, Mitbegründer der Dada-Bewegung 

Quelle: Ball, Gedichte. Entstanden 1915, Erstdruck 1929






Originalität ist ein Luftblasenkatarrh. Schmerzlich und unwahrscheinlich.

 Hugo Ball

(1886 - 1927), deutscher Schriftsteller und Kulturkritiker, Mitbegründer der Dada-Bewegung 

Quelle: Ball, Tenderenda der Phantast, Arche, Zürich 1967






Schöne Mondfrau 

Schöne Mondfrau, gehst du schlafen Lächelnd und so munter, Leise mit den Silberschafen In die Nacht hinunter? 

O und du im hellen Kleide, Liebe Schehrazade, Spielst du, daß die Nacht nicht leide Deine Serenade?  Wandermüde,

wundertrunken Komm in meine Ruhe. Blaue, weiche Sternenfunken Küssen deine Schuhe. 

Sieh, die Nacht ist so lebendig, Voller Duft und Gnade. In den Bäumen eigenhändig Spielt sie sich die Serenade.

 Hugo Ball

(1886 - 1927), deutscher Schriftsteller und Kulturkritiker, Mitbegründer der Dada-Bewegung 

Quelle: Ball, Gedichte. Entstanden um 1917






Schöne Mondfrau 

Schöne Mondfrau, gehst du schlafen Lächelnd und so munter, Leise mit den Silberschafen In die Nacht hinunter? 

O und du im hellen Kleide, Liebe Schehrazade, Spielst du, daß die Nacht nicht leide Deine Serenade? 

Wandermüde, wundertrunken Komm in meine Ruhe. Blaue, weiche Sternenfunken Küssen deine Schuhe. 

Sieh, die Nacht ist so lebendig, Voller Duft und Gnade. In den Bäumen eigenhändig Spielt sie sich die Serenade

. Hugo Ball

(1886 - 1927), deutscher Schriftsteller und Kulturkritiker, Mitbegründer der Dada-Bewegung 

Quelle: Ball, Gedichte. Erstdruck 1915







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